Wann lohnt sich Wohn-Riester wirklich?

Ich bin Marcel Ziegler, Gründer von immobilienspot.com. Ich helfe Menschen, die eine Immobilie erwerben, ein Haus bauen oder Ihr Geld in Immobilien anlegen möchten.

Wohn-Riester ist eine Variante der staatlich geförderten Riester-Rente. Das Kapital fließt nicht als monatliche Rente, sondern in die eigene Immobilie: für Kauf, Bau oder die Ablösung eines Darlehens. Der Staat zahlt Zulagen und Steuervorteile. Dafür wandert das geförderte Kapital in ein Wohnförderkonto, ein fiktives Konto, auf dem die geförderten Beträge gesammelt werden. Im Rentenalter wird dieser Betrag versteuert, obwohl Sie das Geld nie ausgezahlt bekommen.

Ob sich das lohnt, hängt von zwei Fragen ab: Wohnen Sie schon in der Immobilie und bleiben dort bis ins Alter? Und haben Sie einen konkreten Kaufplan? Wer beide mit Ja beantwortet, für den ist Wohn-Riester meist ein gutes Geschäft. Wer nur vage über eine Immobilie nachdenkt, lässt besser die Finger davon.

So funktioniert die Förderung

Sie zahlen in einen Riester-Vertrag ein und erhalten dafür die staatliche Grundzulage, gegebenenfalls Kinderzulagen und einen Steuervorteil. Dieses geförderte Kapital dürfen Sie für Wohnzwecke einsetzen. Zwei Wege sind möglich: Sie entnehmen das Geld als Eigenkapital für den Kauf oder Bau, oder Sie nutzen es, um ein bestehendes Darlehen für die selbst genutzte Immobilie abzulösen. In beiden Fällen bleibt die Förderung erhalten, solange Sie in der Wohnung leben.

Der Haken dabei ist das Wohnförderkonto. Auf diesem fiktiven Konto werden alle geförderten Beträge gesammelt, also die Zulagen und die Steuervorteile. Im Rentenalter wird dieser Betrag versteuert, obwohl Sie das Geld nie als Einkommen ausgezahlt bekommen haben. Das ist eine Nachversteuerung auf dem Papier, die viele Sparer erst spät bemerken.

Das Wohnförderkonto ist der Haken

Die Steuer auf das Wohnförderkonto ist der größte Nachteil von Wohn-Riester. Sie haben zwei Möglichkeiten, die Steuer zu zahlen: auf einen Schlag, dann gewährt der Staat einen Abschlag, oder verteilt über mehrere Jahre. In beiden Fällen zahlen Sie Steuern auf Geld, das Sie nie ausgezahlt bekommen haben. Das schmälert den Vorteil der Förderung spürbar.

Dazu kommt die Bindung an die selbst genutzte Wohnung. Verkaufen Sie die Immobilie und ziehen nicht in eine neue geförderte Wohnung, müssen Sie die erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Das kann gerade bei einem Umzug in eine Mietwohnung oder ins Pflegeheim zu einer unerwarteten Belastung führen. Wer nicht sicher ist, ob er bis ins Rentenalter in derselben Immobilie wohnen bleibt, geht ein echtes Risiko ein.

Frist bis 2026

Für die Entscheidung ist ein Datum wichtig. Neue Verträge nach altem Recht können Sie noch bis Ende 2026 abschließen. Danach gelten neue Regeln, deren genauer Inhalt noch nicht feststeht. Die neuen Vorschriften für das Wohnförderkonto gelten zudem erst für spätere Auszahlungen. Wer also vorher Geld entnimmt, bleibt von den Änderungen unberührt.

Bestehende Verträge laufen nach 2026 mit der bisherigen Förderung weiter, und Sie können weiterhin Geld entnehmen. Allerdings ist offen, ob es nach der Reform überhaupt noch neue Wohn-Riester-Angebote geben wird. Der Bundesgerichtshof hat außerdem die jährlichen Gebühren bei Riester-Bausparverträgen für unwirksam erklärt. Für bestehende Bausparverträge kann das eine Rückzahlung bedeuten, für die Zukunft ist unklar, welche Produkte die Anbieter noch auf den Markt bringen.

Wann sich Wohn-Riester lohnt

Am deutlichsten lohnt sich Wohn-Riester für Menschen, die bereits in der eigenen Immobilie wohnen und dort bis ins Rentenalter bleiben wollen. Sie erhalten die volle Förderung, und die ersparte Miete wirkt im Alter wie eine zusätzliche Rente. Die Nachversteuerung des Wohnförderkontos fällt dann in eine Lebensphase, in der das Haus ohnehin abbezahlt ist und die laufenden Kosten niedrig sind.

Auch für den Abschluss eines neuen Vertrags bis Ende 2026 gilt eine klare Bedingung: Er lohnt nur mit einem konkreten Kauf- oder Bauplan. Wer bereits eine Immobilie gefunden hat oder ein Darlehen abzulösen plant, kann die Förderung gezielt einsetzen. So entscheiden Sie: Wenn Sie in den nächsten ein bis zwei Jahren sicher kaufen oder bauen, prüfen Sie Wohn-Riester. Wenn nicht, lassen Sie es.

Wann Sie besser verzichten

Ohne konkreten Plan sollten Sie keinen neuen Wohn-Riester-Vertrag abschließen. Die Bindung an die selbst genutzte Wohnung und die spätere Steuer auf das Wohnförderkonto machen das Produkt für Unentschlossene unattraktiv. Wer nicht weiß, ob er in der Immobilie alt wird, riskiert, die Förderung samt Zinsen zurückzahlen zu müssen.

Wenn Sie bereits einen Riester-Vertrag besitzen und unsicher sind, ob Wohn-Riester zu Ihnen passt, behalten Sie den Vertrag besser als reine Altersvorsorge. Die Riester-Rente zahlt Ihnen im Rentenalter ein garantiertes Kapital aus, das Sie frei verwenden können. Diese Flexibilität gibt Ihnen Wohn-Riester nicht. Im Zweifel ist die klassische Riester-Rente die sicherere Wahl.


Marcel Ziegler

Ich bin Marcel Ziegler, Finanz-Blogger und Gründer von immobilienspot.com. Hier möchte ich allen Menschen, die eine Immobilie erwerben, ein Haus bauen oder Ihr Geld in Immobilien anlegen möchten, kostenlos leicht verständliche Informationen zu Baufinanzierungen, Immobilienkauf und Hausbau anbieten.