Versicherungsdarlehen

Eine Versicherung als Kreditgeber

Manchmal gibt es Gründe, ein Darlehen nicht bei einer Bank oder Sparkasse, sondern bei einer Versicherung aufzunehmen. Dies kann an der attraktiven Gestaltung der Konditionen liegen oder auch darauf beruhen, dass im Rahmen eines umfassenden Finanzierungskonzepts für einen Immobilienerwerb das Versicherungsdarlehen eingesetzt wird. Gerade bei einer Baufinanzierung ohne Kapital wird oft der Weg über ein Versicherungsdarlehen empfohlen. Wenn Sie sich Ihre Baufinanzierung berechnen lassen, lohnt sich immer ein Blick auf die Angebote der Versicherer. Ob dies der optimale Weg für Ihre Eigenheim Finanzierung ist, muss im Einzelfall geprüft werden.

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Baufinanzierung

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Formen des Versicherungsdarlehens. Die einfachste Form besteht darin, dass der Versicherer, bei dem eine kapitalbildende Lebensversicherung besteht, dem Versicherungsnehmer bzw. einer anderen aus dem Vertrag berechtigten Person ein Darlehen gibt, das in der Höhe maximal dem vorhandenen Rückkaufwert zuzüglich erwirtschafteter Überschussanteile entspricht. Diese Kredite, die auch als Policendarlehen bezeichnet werden, sind ähnlich zu betrachten wie gewöhnliche Ratenkredite. Die Besonderheit besteht darin, dass der Kreditnehmer - solange der Versicherungsvertrag laufend bedient wird - nur die anfallenden Zinsen für die Kreditsumme zahlen muss. Ob und wann er die Kreditsumme selbst zurückführt, bleibt zumeist ihm überlassen. Tilgt er nicht, wird die Kreditsumme bei Fälligkeit der Versicherungssumme einbehalten. Die Beleihungsgrenze liegt bei vielen Versicherern bei 70 bis 80 % des erreichten Rückkaufwertes. In einzelnen Fällen stellen Versicherer und spezialisierte Vermittler auch Darlehenssummen bis zu 100 % des Versicherungsguthabens zur Verfügung. Ein Sonderfall sind Fondspolicen. Wegen des Schwankungsrisikos beim Wert der Fondsanteile liegt die Beleihungsgrenze hier oft bei nur 50 % des aktuellen Wertes bei Abschluss des Policendarlehens.

Versicherungsdarlehen in der Baufinanzierung

Versicherungsdarlehen spielen besonders bei der Immobilienfinanzierung eine wichtige Rolle. Die Angebote der Versicherer bestehen in der Regel darin, ein Baudarlehen in einer bestimmten Höhe zu gewähren, dessen Tilgung über einen gleichzeitig abgeschlossenen Versicherungsvertrag, zumeist eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung, erfolgt. Die Höhe des Kredites bestimmt sich anhand des Beleihungswerts, der durch einen Sachverständigen im Auftrag des Versicherers ermittelt wird. Meist wird als Höchstgrenze des Kredits ein Prozentsatz des Beleihungswerts (oft 70 oder 80 %) angenommen. Die Eckdaten des parallel abgeschlossenen Versicherungsvertrages werden so gewählt, dass die prognostizierte Ablaufleistung ausreicht, um das Darlehen zu tilgen. Während der Laufzeit des Darlehens sind nur die Zinszahlungen monatlich zu leisten. Man spricht daher auch von einem Darlehen mit Tilgungsaussetzung.

Die Konditionengestaltung eines Versicherungsdarlehens entspricht - abgesehen von der Tilgungsaussetzung - zumeist den Regeln eines Baudarlehens, wie dieses auch von Banken oder Sparkassen gewährt wird. Dies gilt sowohl für die Verzinsung als auch für die Besicherung. Bei der Verzinsung werden zumeist ähnliche Konditionen wie bei Immobiliendarlehen von Banken und Sparkassen angeboten. Beim derzeitigen günstigen Zinsniveau lohnt die Vereinbarung einer möglichst langen Zinsbindungsfrist. Das Versicherungsdarlehen wird durch die Belastung der Immobilie mit einer Hypothek oder Grundschuld gesichert.

Vor- und Nachteile eines Versicherungsdarlehens

Der Vorteil einer solchen Baufinanzierung besteht darin, dass Versicherungen oft Baudarlehen zu vorteilhaften Zinskonditionen anbieten. Zudem werden die Beleihungswerte der finanzierten Immobilien häufig großzügig angesetzt. Sogar Finanzierungen mit geringem oder ohne Eigenkapital werden so ermöglicht. Auch der bei Lebensversicherungen eingeschlossene Todesfallschutz für Angehörige spricht für eine Versicherungsdarlehen. Zudem hält die Tilgungsaussetzung die monatliche Ratenbelastung gering.

Dem steht jedoch entgegen, dass parallel zu den Zinszahlungen die Prämien für den Versicherungsvertrag geleistet werden müssen, über den das Baudarlehen letztlich getilgt wird. Dabei ist die prognostizierte Ablaufleistung eine nicht zu unterschätzende Unbekannte. Häufig werden Ablaufleistungen prognostiziert, die später nicht erreicht werden. Bei gewissenhafter Planung kann also nur der Sparanteil aus den laufenden Prämienzahlungen und der sehr niedrige Garantiezins als sichere Tilgungsumme betrachtet werden. Es besteht das Risiko einer teuren Nachfinanzierung, die insgesamt in ein Verlustgeschäft münden kann.

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